Präsident oder Rektor? - Was geht das mich an?


ASTA, GeFa, FS, VR, StruKo ... ? Im Laufe des Studiums werdet Ihr - die einen mehr, der anderen weniger - auf so manches Akronym stoßen, das kryptisch anmutet. Dass C.t. "cum tempore" heißt, dass damit versehene Vorlesungen 15 Minuten ("akademisches Viertel") später beginnen als ausgewiesen, wird man schnell lernen und verinnerlichen. Was sich hinter GeFa, FS oder StruKo jedoch verbirgt, bleibt meist rätselhaft. Wieso? Weil bei sehr vielen Studierenden - und heute mehr als früher - die Bereitschaft zu fehlen scheint, sich mit Aspekten hochschulrelevanter Fragen, die außerhalb von Vorlesung, Mensa und Freizeitangeboten liegen, zu beschäftigen. Dabei sind diese Bereiche oft nicht minder bedeutsam für das Studium - legen gar die Art des Abschlusses und des Weges dorthin fest.

Am ehesten wird man wohl mit AStA etwas anfangen können. Die Abkürzung steht für Allgemeiner Studierenden-Ausschuss und ist die höchste studentische lnteressensvertretung an der Uni. Daneben der GeFa - der Gemeinsame Fachschaftsrat, der das höchste Willensbildungsorgan der studentischen Vertretung darstellt. Der Unterschied zwischen beiden ist der, dass der AStA eine gesetzlich vorgesehene, der GeFa hingegen eine informale Struktur ist. Aber weder der eine noch der andere sind - was bei manchen als Vorurteil mitschwingen mag - mit Leuten besetzt, die außer Gremien, Saufen und alternativen Partys nichts im Sinn haben, noch sind die Organe studentischer lnteressensvertretung von RAF-Sympathisanten und Che-Guevara-Anhängern mit Palästinensertuch unterwandert. Da in Baden-Württemberg keine Parteien in ein Studierendenparlament (Stichwort "Verfasste Studierendenschaft ") gewählt werden, finden sich bei uns parteiunabhängige, an der Lösung konkreter Sachfragen interessierte Studierende zusammen.
Da jedoch jede Gemeinschaft - so auch Deine Universität, Dein Seminar, Deine Fachschaft - nicht ohne ein Mindestmaß an partizipativer Aktivität der Gemeinschaftsmitglieder auskommt, soll hier der Appell an alle gerichtet werden, sich über den Tellerrand des eigenen Studienfaches hinauszuwagen und sich beispielsweise die eigene Fachschaft anzuschauen, die die ureigensten studienbezogenen Interessen vertritt (z.B. im Prüfungsausschuss).
Sollte einem wider Erwarten diese ,Arbeit" nicht gefallen, kann man sich auch wieder zurückziehen; mit dem Vorzug, sich das selbst angesehen und seine eigene Meinung gebildet zu haben. Das Spektrum der Betätigungsmöglichkeiten dabei ist weit. Für wen die Fachschaftsarbeit nichts ist, der wird vielleicht bei der Filmgruppe seine Heimat finden ...
Wer sich aber für Hochschulpolitik interessiert, dem seien folgende Informationen an die Hand gegeben.
Vor einiger Zeit hat das Wissenschaftsministerium die "gewichtigste Reformnovelle in der baden-württembergischen Hochschulgeschichte" (Minister Klaus von Trotha) vorgelegt. Zum Jahr 2000 sollten weitreichende Änderungen die Hochschulen effizienter, leistungsfähiger machen. Was verbirgt sich hinter diesem Regelwerk? Das "Gesetz zur Änderung hochschulrechtlicher Vorschriften" sieht unter anderem Neuerungen für das seit 1995 geltende Universitätsgesetz (UG) vor. Da sehr viel geändert wurde, soll hier exemplarisch Herausragendes vorgestellt werden.
Die Universitäten bekamen einen HOCHSCHULRAT an die Seite gestellt. Er setzt sich aus Universitätsinternen und externen Mitgliedern zusammen und besitzt in einigen Bereichen Entscheidungsvollmachten. Das Einbringen von objektivem Sachverstand durch die externen Mitglieder ist sicherlich positiv zu beurteilen. Da diese Mitglieder nicht unmittelbar in das Universitätsgeschehen (z.B. Tätigkeit in einem Institut) einbezogen sind, können sie gewisse Sachverhalte aus der Sicht eines neutralen, außenstehenden Beobachters beurteilen. Mit Sicherheit leisten die Externen einen wichtigen Beitrag als Bindeglied zwischen Gesellschaft, Wirtschaft und Universität. Die Schaffung des Hochschulrates ist ein wichtiger Schritt zu vermehrter Autonomie und Selbstbestimmung, was sich in der Kompetenzverlagerung vom Ministerium an den Hochschulrat manifestiert. Begrüßenswert ist beispielsweise die zu erwartende Beschleunigung der Entscheidungen über Änderungen von Prüfungsordnungen.
Gesetzlich ist zwar nicht festgeschrieben, wer die Universitätsinternen sein sollen. Der Große Senat hat aber im SS 2000 in seiner Grundordnung festgelegt, dass auch ein Studierender dazugehören soll. Dabei handelt es sich um Kerstin Eckert aus der Fachschaft WiWi.
Ebenfalls im letzten SS wurden die Externen Mitglieder beschlossen (die Vorschläge des GeFa wurden leider nicht berücksichtigt): Die externen Mitglieder sind:

Dr. Fred- Robert Heiker Leiter der Zentralen Forschung der Bayer AG, Leverkusen
Frau Dipl. Vw. Jutta Lowag stv. Intendantin des Bayrischen Rundfunks, München
Prof. Dr. Gerhard Neuweiler ehemaliger Vorsitzender des Wissenschaftsrates, München
Werner Schmidt Vorsitzender des Vorstandes der LBBW,
Stuttgart
Helga Solinger Ministerin a.D.,
Stuttgart
Prof. Dr. Sabine Urban Direktorin des Centre d'Etudes des Sciences Appliquée à la Gestion an der Université Robert Schuman, Straßburg

Das Gesetz sieht auch weiterhin die Möglichkeit der Wahl zwischen Rektorats- und Präsidialverfassung vor. Wir Studierenden bevorzugen das Rektorat, da in einem solchen Kollegialorgan die Macht nicht in einer Person konzentriert wird. In Hohenheim ist die Frage allerdings noch nicht entschieden, da beim letzten Senatsbeschluss der amtierende Präsident Macharzina sein Veto gegen die Rektoratsverfassung eingelegt hat. Also müssen wir bis zu seiner Abdankung 2002 warten.

Kurz erwähnt sei noch, dass eine Zwangsexmatrikulation nach 20 Semestern möglich wird, - dass Studiengebühren nicht ausgeschlossen werden (500 € pro Semester fallen bereits jetzt ab dem 14. Semester an!).

Weitere Informationen dazu und zu anderen Bereichen erhaltet Ihr bei Eurer Fachschaft oder im 

"Gemeinsamen Fachschaftsrat"
(Mittwoch 18.15 Uhr im AStA-Foyer).